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  • Patrick de Jong

Typische Fehler beim Skalieren des Netzwerkes - Teil 1/4: Der zeitliche Aspekt

Aktualisiert: 23. Juli 2019

"Aus großem Wachstum folgt große Verantwortung."

Wenn einem auf einmal der Outbound durch die Decke geht, ist das ja eigentlich ein Luxusproblem. Unter allen E-Commerce-Unternehmen sind es nur wenige, die sich auf einmal in der Situation befinden, schneller zu wachsen als es ihrer Logistik lieb ist. Diese Phase ist schwierig, aber entscheidend, und es gibt einige Aspekte, die es zu beachten gilt. In dieser Artikelserie gebe ich einen kurzen Überblick über die typischen Fehler, die Onlinehändlern in dieser Phase unterlaufen können.

Der erste von vier Artikeln befasst sich mit der vermeintlich offensichtlichsten Fragestellung: wann muss man neue Kapazitäten schaffen?


Der zeitliche Aspekt von Logistikkapazität

Unabhängig davon ob man über Dienstleister oder eigene Logistikstandorte prozessiert, sobald die Wachstumskurve anzieht muss man sich fragen, wie lange das aktuelle Setup noch halten wird. Idealerweise erkennt man diesen Punkt nämlich bevor vom Einkauf 20 Seefracht-Container Neuware angekündigt werden, die nach Meinung des Lagerleiters nur noch auf dem Hof Platz finden werden.

Wenn man es nämlich auf diese (harte) Tour lernt, bleibt einem wenig anderes übrig, als kurzfristig teure Kapazitäten einzukaufen. Besser wäre es gewesen diesen Bedarf zwei, drei, vielleicht sogar vier Jahre im Voraus schon kommen gesehen zu haben. Dann ist in der Regel genug Zeit vorhanden, um mit Kapazität schaffenden Projekten effizient gegenzusteuern.

Dabei gilt es zu beachten, dass diese Projekte, je nach Größenordnung, eine nicht ganz unerhebliche Laufzeit bis zur vollen Entfaltung ihres Effektes haben. Zur Entscheidungs- und Planungsphase kommt die (bauliche) Umsetzung, aber dann auch eine gewisse Zeit des Lernens und des Ramp-Ups. Bei Logistikbauprojekten signifikanter Größe kann man bis zum GoLive für ein eher manuelles Konzept 1,5 Jahre ansetzen, für marktüblich automatisierte Konzepte sind es dann um die 2,5 Jahre. Der darauf folgende Ramp-Up kann je nach Größe und Automationsgrad noch mal 1 bis 3 Jahre in Anspruch nehmen. Dementsprechend früh sollte man die analytische Grundlage legen, Sensitivitäten prüfen und das Board an Bord holen, damit Mittel und Manpower rechtzeitig zur Verfügung stehen.

Zwar ist diese Fragestellung auch ohne spezifische Software und Algorithmen analytisch gut lösbar. Im Grunde genommen geht es ja lediglich um eine Gegenüberstellung der vorhandenen Kapazitäten, die sich ebenso mit der Zeit entwickeln können, und der benötigten Kapazitäten, die im Wesentlichen vom Business-Case abhängen. Aber auch in derartigen Modellierungen beinhalten zahlreiche Fallstricke, die man kennen sollte. Auch kleine Ungenauigkeiten können, aufgrund des relativ langen Betrachtungszeitraums, kumuliert signifikante Schwankungen verursachen und zu suboptimalen Entscheidungen führen.

Es sei erwähnt, dass Kapazitäten sowohl statischer (Lagerung), als auch dynamischer Natur (Inbound, Outbound, Retoure, ...) sein können. Der Engpass ist nicht zwangsläufig offensichtlich. Empfehlenswert ist es in jedem Fall, ein gesamtheitliches Bild des Materialflusses zu erstellen, um die Entwicklung wesentlicher KPI (Warenkorb, Retouren-Quote, Lagerumschlagsgeschwindigkeit, ...) auf Plausibilität prüfen zu können.

Eine Betrachtung der Kapazitätszeitreihe empfiehlt sich ein bis zweimal im Jahr. Wenn man einmal etwas Aufwand in ein anwenderfreundliches aber durchdachtes Tool für diesen Zweck gesteckt hat, sind die folgenden Iterationen selbstredend umso leichter. Vernünftig ausgestattet kann sich ein Unternehmen dann auf verschiedene Zukunftsszenarien einstellen und wird nicht plötzlich von Kapazitätsengpässen überrascht.

Über konkrete Ansätze und Toolings unterhalte ich mich gerne. Sollte Interesse bestehen, kommt gerne auf mich zu: LinkedIn / Xing / Contact

Wir sind gespannt auf dein Projekt.

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